Stephen King – der König des Schreckens

Für mich persönlich gibt es keinen genialeren und einfallsreicheren Autor als ihn. Aber jetzt mal ganz ehrlich: ab und zu denke ich mir bei gewissen Buchpassagen schon, dass nur ein geistig gestörter Mensch sich so etwas ausdenken kann. Doch genau diese teils verstörenden Passagenin Kombination mit den detailgetreuen, in einander verschachtelten Erzählungen machen Stephen King meiner Meinung nach aus. Er schafft es, Dinge aufs Papier zu bringen, die sich sonst keiner trauen würde. So fesselt er Millionen von erwachsenen Menschen mit grotesken Monstergeschichten und fantasievollen Erzählungen.

Am 21.09.1947 in Portland, Maine geboren, wächst King hauptsächlich mit seinem Bruder und seiner alleinerziehenden Mutter auf. Sein Vater verlässt die Familie bereits zwei Jahre nach seiner Geburt. Er soll damals vom Zigaretten holen nicht mehr zurückgekommen sein. Als Hobbyschriftsteller soll sein Vater auch eigene Erzählungen verfasst haben, die King in späteren Jahren auf dem Dachboden zusammen mit anderen Büchern  findet. Dieses Erlebnis bezeichnet er rückblickend als Offenbarung. Dies und die Tatsache, dass er gerne Fantasy und Science-Fiction Filme geschaut hat, haben seine spätere Vorliebe für Horrorgeschichten geprägt.

Schon während der Highschool veröffentlicht er bereits eine Novellensammlung sowie mehrere Geschichten. Im letzten Jahr der Highschool beendet er sogar seinen ersten Roman „Amok“. Die Tatsache, dass er für seine Texte jedoch lauter Absagen bekommt, lässt ihn an seiner schriftlichen Begabung zweifeln. Als er seine Frau Tabitha heiratet lebt King sehr spartanisch in einem Wohnmobil und arbeitet in einer Wäscherei, bis er 1972 eine Anstellung als Englischlehrer findet. Mittlerweile haben Tabitha und King ein gemeinsames Kind, leben weiterhin in ärmlichen Verhältnissen, was King nur schwer akzeptieren kann und ihn zum Alkohol verleitet. Zu dieser Zeit ist er im Begriff, Carrie zu schreiben. Er kommt aber nicht voran und schmeißt das Manuskript frustriert in den Papierkorb. Seine Frau, die weiterhin von seinem Talent überzeugt ist, rettet das Manuskript und legt es ihm später zur weiteren Bearbeitung vor.

Nur ein Jahr später akzeptiert der Doubleday-Verlag Carrie, was King plötzlich reich und bekannt macht. King kündigt seinen Job als Lehrer um sich voll auf das Schreiben zu konzentrieren. Nach der Verfilmung von Carrie im Jahre 1976 spricht die ganze Welt von Stephen King. Weitere drei Jahre später erscheint ein weiterer Bestseller King´s, Shining. Nachdem er an der Uni Main zwei Literaturkurse leitet, beschließt er keine weiteren Lehraufträge anzunehmen und sich nur noch dem Schreiben zu widmen. Es folgen viele erfolgreiche Veröffentlichungen und Auszeichnungen, unter anderem der „World Fantasy Award“. Außerdem wird ihm von der Universität Maine ein akademischer Ehrentitel verliehen. Ab 1989 widmet King sich sogar der Musik, in dem er Gitarrist einer aus Schriftstellern bestehenden Rockband namens „Rock Bottom Remainders“ wird. 1999 wird er bei einem Spaziergang von einem Auto angefahren und schwer verletzt. Er kauft daraufhin das Auto und zertrümmert es genau ein Jahr später eigenhändig. Für sein Lebenswerk erhielt er im Jahre 2003 den „National Book Award“.

Dem aufmerksamen Leser fällt auf, dass King viele Details aus seinem Leben in seine Bücher einfließen lässt. Ein Beispiel dafür ist, dass so gut wie alle Schauergeschichten in Maine stattfinden. Außerdem findet sich sein Unfall beim Spaziergang wieder, genauso wie sein früheres Alkoholproblem. Viele Geschehnisse seines Lebens verarbeitet er in seinen Büchern und verleiht so den fiktiven Gedanken trotz der unnatürlichen Windungen an Authentizität.

Inhalt

„Es freut mich dich kennenzulernen! Erzähl doch was von dir, bist du mein nächstes Opfer? Wie unhöflich von mir, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt! Mein Name ist Pennywise, ich lebe in der schaurigen Stadt Derry, die ich alle 28 Jahre aufmische indem ich Angst, Zwietracht und Ignoranz verteile. Schon lange vor deiner Zeit habe ich schlimme Unfälle ausgelöst, Menschen gejagt und getötet. Ich liebe den Geruch der panischen Angst, die ein Mensch ausströmt sobald er weiß, dass sein elendes Leben zugrunde geht. Meistens bin ich als Clown unterwegs, ich kann mich aber auch jederzeit in deine größte Angst verwandeln. Eine vermummte Mumie oder ein schlurfender Zombie? Kein Problem! Doch dieses Mal ist etwas anders… jemand stört mich…“

Eine Gruppe Jugendlicher, die unter normalen Umständen nie zusammengefunden hätten, lernen sich kennen. Sie alle verbindet, dass sie bereits erschreckende Erfahrungen in diesem Sommer machen mussten die sie zum Teil nur knapp überlebten. Neben den üblichen Problemen junger Menschen wie zum Beispiel besitzergreifende Eltern, gewaltbereite Mitschüler und Diskriminierung aufgrund des Aussehens oder der Schwächen müssen sie sich ihren größten Ängsten stellen. So schließen der stotternde Bill, der schwarze Mike, der übergewichtige Ben, die arme Beverly, Stan der Jude, der vorlaute Richie und der kleine und kränkliche Eddie Freundschaft, denn nur wenn sie zusammen halten haben sie eine Chance zu überleben.

Später hat sich die Gruppe weltweit verstreut. Sie haben sowohl die damaligen Freunde als auch die Geschehnisse verdrängt und vergessen. Bis weitere 28 Jahre später ein einziger Anruf die Katastrophe von vorne beginnen lässt. Mit großer Angst und einer schaurigen Vorahnung kehren sie zurück nach Derry, um es zu beenden.

Die Neuverfilmung

Wie ich bereits erwähnt habe, habe ich ES erst kürzlich gekauft und gelesen. Genauer gesagt habe ich es genau in dem Moment gekauft, als ich erfahren habe dass der Film bald in Deutschland auf der Kinoleinwand erscheint. Sicher wird sich der ein oder andere fragen, weshalb ich als Stephen King Fan nicht schon vorher ES gelesen habe. Bei meiner Schande muss ich zugeben, dass ich mich bis zum Filmstart kein bisschen für dieses Buch interessiert habe. Mit ES habe ich immer nur eine Gruselgeschichte verbunden, die einfach nur von einem Clown handelt. Ich habe leider nicht daran gedacht, dass bei King nie etwas „einfach nur“ ist, sondern dass jede Alltäglichkeit bis ins Unkenntliche verändert und zurechtgebogen wird, bis sie seiner Fantasiewelt entspricht. Hätte ich gewusst, was ES für ein Meisterwerk ist, ich hätte schon viel früher zu diesem Buch gegriffen…

Nun ist es leider so, dass ich ein paar ganz alte Schmöcker von King leider (noch) nicht gelesen habe, wozu bis vor kurzem ES auch noch gehörte. Der Filmstart ließ mich jedoch aufhorchen. Wieso? Weil ich es LIEBE, Bücher mit ihren Verfilmungen zu vergleichen. Wieso? Ich weiß auch nicht… meist bin ich von den Filmen sehr enttäuscht, da die Handlungen rapide gekürzt und zum Teil sehr stark verändert werden, sodass es mir sehr schwer fällt die Verbindung zum Buch herzustellen. Ganz oft sitze ich da und frage mich, wie mein Freund neben mir, der das Buch nicht gelesen hat, der Handlung überhaupt folgen kann, wenn 90 Prozent des Buches weggelassen werden. Doch irgendwie macht das alles wohl trotzdem Sinn, denn irgendwie scheint der Film trotzdem einen roten Faden zu haben, nur eben nicht immer denselben wie es das Buch hat. So ist es auch bei ES. Ich glaube ich schaue mir die Filme gerne an, um meine Fantasie mit der Fantasie des Regisseurs zu vergleichen. Stelle ich mir den Protagonisten auch so vor? Ist er groß, klein, brünett oder blond?

Jedenfalls ist es bei der Neuverfilmung von ES ähnlich wie bei anderen Bücherverfilmungen: der Film kommt einfach nicht ran an das Buch. Ich muss aber zugeben, dass dies trotzdem die beste Verfilmung ist die ich gesehen habe. Der Film hält sich hinsichtlich der Kinder, die gegen ES kämpfen, relativ nah am Buch. Die Charaktere werden genauso dargestellt, wie sie auch im Buch aufgetreten sind. Schade finde ich nur, dass die jeweiligen zusammentreffen zwischen Kind und Pennywise teils drastisch verändert wurden.

Kleiner Spoiler: Ich habe mich schon riesig auf die Szene gefreut, in der Mike auf ES in Form eines riesigen Vogels trifft. Diese Seiten habe ich so unglaublich schnell und interessiert aufgesaugt, noch während dem Lesen konnte ich es kaum erwarten den Satz zu beenden und den nächsten zu beginnen. Kennt ihr das? Wenn es so spannend wird, dass man sich wünscht dass diese speziellen Zeilen nie enden… Jedenfalls ist genau dieser Teil im Film komplett umgeschrieben worden. Den Vogel habe ich leider nicht zu sehen gekriegt… Und trotzdem ist der Film für Liebhaber des nicht allzu blutigen Horrors nur zu empfehlen, denn obwohl einige Szenen vom Buch abweichen bleibt der Film mit Spannung geladen!

Die Angst vor Clowns – Stephen King als Auslöser?

Wer kennt das nicht, wenn man als Kind mit seinen Eltern in den Zirkus geht und sich schon Tage vorher darauf freut, endlich die außergewöhnlichen Tiere und Kunststücke zu sehen! Vorfreude und Angst können hier jedoch nah beieinander sein. Denn viele Kinder als auch Erwachsene fürchten sich vor den Clowns, die ebenso zum Zirkus gehören wie ein Trapezkünstler. Doch woher kommt diese Angst?

Die maskierten und geschminkten Figuren sind durch ihre Aufmachung unkenntlich, es ist nicht zu erkennen wer die Person ist die sich hinter dem ganzen befindet. Hinzu kommt, dass durch die Maske bzw. die Schminke keine Mimik transportiert werden kann. Diese Tatsache macht sowohl Kindern als auch Erwachsenen Angst, denn durch die Mimik lassen sich viele Eigenschaften des Gegenübers ablesen. Ist es ein netter Mensch, der freundlich lächelt oder handelt es sich um ein hämisches, böses Grinsen, welches einen zur Flucht bewegt. Die Unfähigkeit, den Menschen hinter der Maske anhand seines Gesichtsausdrucks abschätzen zu können führt dazu, dass wir ein mulmiges Gefühl bekommen. Dieses Gefühl kennen bestimmt viele, ich selber habe es auch öfter wenn ich einen Straßenkünstler mit versteinerter Miene sehe. Bei manchen Menschen hat sich dieses unwohle Gefühl jedoch so manifestiert, dass es sich regelrecht in eine panische Angst verwandelt hat. Hinzu kommt, dass Clowns häufig ein unnatürliches, groteskes und permanentes Grinsen an den Tag legen, sodass sie auf viele eher bedrohlich als freundlich wirken.

Diese Faktoren hat sich Stephen King zu Eigen gemacht und durch seine Figur Pennywise ein Wesen erschaffen, das diese Ängste aufgreift und durch seine Taten noch verstärkt. Häufig heißt es, dass die Angst vor Clowns, auch Coulrophobie genannt, erst durch Stephen King richtig ausgelöst und verbreitet wurde. In der Verfilmung aus dem Jahr 1990 spielte Tim Curry seine Rolle als Pennywise so überzeugend, dass sogar die Kollegen am Set Angst vor ihm hatten, ganz zu schweigen von dem Publikum vor der Leinwand.

Gibt es jemanden, der dieses Buch trotz seiner Phobie vor Clowns gelesen hat? Wenn ja, melde dich bitte! Es würde mich brennend interessieren ob das Buch dir vielleicht sogar geholfen hat dich der Angst zu stellen!

Meine Meinung

Kennst du das Gefühl, wenn du abends im Bett liegst und unbedingt dein Buch weiterlesen möchtest, du dich aber nicht traust weil du weißt dass du aus Angst kein Auge mehr zu kriegen wirst? Weil du als erwachsener, logisch denkender Mensch plötzlich Angst hast im Dunkeln? Dieses Gefühl habe sich bei Kings Büchern relativ häufig. Trotzdem war es bei keinem Buch so hefig wie bei ES. Wer auf Thriller steht bekommt hier genau das Richtige!

Stephen King schafft es, trotz vielen unterschiedlichen Geschichtensträngen die Spannung hoch zu halten. Ich habe häufig das Problem, dass ich Nebengeschichten nur so überfliege, um so schnell als möglich zum Hauptteil zu kommen. Doch hier war es ganz anders. Ich habe jedes Kapitel mit derselben Konzentration verschlungen, egal ob es eine kurze belanglose Nebenszene oder ob es eine Aktion der Hauptprotagonisten war.

ES ist in allen Passagen und in allen Verwandlungen so präzise und bildhaft dargestellt, dass ich ihn mir jedes Mal sehr detailliert vor meinem geistigen Auge vorstellen konnte. Auch die Angst der Kinder, die ES zum Opfer gefallen sind, wurde so ausführlich und anschaulich aufgeführt, dass ich das Gefühl hatte, mit ihnen mitfühlen zu können. King schafft es einfach immer, mich durch seine unglaublich illustrativen Beschreibungen in den Bann zu ziehen!

An all die Fans von Thrillern und Horror-Romanen kann ich dieses Buch nur weiterempfehlen. Wer allerdings etwas zart besaitet ist, vielleicht sogar schon an einer Clown-Phobie leidet, der wird keinen Spaß daran haben… Vielleicht hilft das Buch ja um sich seiner Angst zu stellen ohne gleich vor einem echten Clown zu stehen?? Ansonsten wünsche ich allen, die trotz des Hypes um die Neuverfilmung noch nicht zum Lesen gekommen sind viel Spaß bei diesem Buch! Es lohnt sich!


Quellen:

https://www.stephen-king.de/

https://www.lovelybooks.de/autor/Stephen-King

https://www.focus.de/wissen/praxistipps/coulrophobie-warum-menschen-angst-vor-clowns-haben_id_7589861.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Stephen_Kings_Es